Eine Multimediainstallation von Veronika Veit
»Es gibt kein richtiges Leben im falschen.« Mit dieser Sentenz von Adorno klingt die Intention des Projektes an, mit dem Veronika Veit einen Bunkereingang im Außenbereich des Gasteig platziert. Ein Fenster erlaubt den Blick auf den streng strukturierten Alltag einer isoliert lebenden Familie. In einer Zeit, in der es zunehmend um Individualisierung statt um Gemeinschaft geht und Selbstoptimierung bereits im Kindergarten ein Thema ist, soll diese Intervention stören, aufrütteln und provozieren.

Eröffnung
Samstag 09.09.2017 / 18:00 Uhr
am Gasteig / S-Bahn Ausgang Rosenheimer-Str.

Einführung
Anna Schneider, Haus der Kunst München

Künstlergespräch
Freitag 06.10.2017 / 19:00 Uhr
Susanne Touw, Leiterin Bereich Medienkunst
Sammlung Goetz München
Gasteig, EG Raum 0131, Eintritt frei

Mit freundlicher Unterstützung

 


Eine Multimediainstallation von Veronika Veit

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen“
Mit dieser Sentenz von Adorno klingt die Intention des Projektes an, das einen Bunkereingang im Außenbereich des Gasteigs platziert. Der "Bunker" erlaubt durch das Fenster den Blick auf den streng strukturierten Alltag einer isoliert lebenden Familie. Nur durch absolut reglementiertes Verhalten und äußerste Hygiene scheint es möglich, die Kontrolle zu behalten.
Die Familie hat sich gegen die Außenwelt abgeschottet und abgesichert, Nahrungsmittel gehortet, und versucht möglichst unabhängig zu leben. Die Szenerie spiegelt den Wunsch nach Autonomie und Selbstbestimmung und zeigt gleichzeitig die Problematik von sozialer Isolation auf.

Ab dem 8. August beginnt auf dem Gasteiggelände das Bauvorhaben: „Hier entsteht ein Bunker als Wohnraum für eine Familie“.
Dieser Satz ist auf das Fenster des Bunker geschrieben, wie die Werbung an einem Neubau. Ein Weblink leitet zu vier Videos, in denen eine Frau ihre harte Haltung zum Überleben postet. Der aufmerksame Betrachter erkennt darin Zitate Margret Thatchers die in den Achtziger Jahren die Neoliberalistische Haltung mitbegründet hat.

In einer Zeit, in der es zunehmend um Individualisierung statt um Gemeinschaft geht, in der Schlagworte wie Selbstverwirklichung und Selbstoptimierung bereits im Kindergarten Thema sind, soll diese Intervention stören, aufrütteln und provozieren. Das Projekt thematisiert die Tendenz zu Abgrenzung und Abschottung, den Versuch völlig autonom zu existieren und den absurden Gedanken, dass jeder ganz allein für sein Schicksal verantwortlich ist.

Die Platzierung eines Bunkereinstiegs auf dem Gasteiggelände wirkt provozierend und störend, steht aber gerade deshalb im historischen Bezug zu diesem Ort: Im zweiten Weltkrieg befand sich der Tiefbunker LSB12 unter dem Bürgerbräukeller, heute Gasteig, Gebäude der GEMA. Auf den Informationstafeln im Außenbereich des Gasteigs wird auf die historische Rolle dieses Ortes, den Hitlerputsch und das versuchte Hitler- attentat durch Georg Elsner verwiesen.
Das Projekt nimmt nicht nur Bezug auf den ehemaligen Luftschutztiefbunker, an den sich ältere Bewohner Haidhausens erinnern können, sondern möchte auch an den Mut Georg Elsners erinnern, den Nazis Einhalt zu bieten.